Gartentagebuch

2020

Die Schönheit des Einfachen

Das Jahr beginnt wie es aufgehört hat: warm und nass. Die Schneeglöckchen und Krokusse strecken schon ihre Köpfe und die Strauchpäonien haben schon beängstigend dicke Knospen. Zu Ende Januar soll ein bisschen Winter kommen: ich bin gespannt wann wir die mediterranen Pflanzen einräumen müssen.

Im Winter gehört der Garten den Vögeln - und Eichhörnchen. Wir füttern seit November und haben dadurch viele, viele Vögel im Garten.

  • Tannenmeise an der Winterdeko auf der Terrasse
  • Das ist eins von den „dunklen“
  • Die kleine Maus weiß natürlich auch die Angebote zu nutzen - trotz Katzen

Nachdem im letzten Jahr ein Mischfutter dazu geführt hat, dass die heruntergefallenen Samen gekeimt sind und ich Mengen von Weizenkeimlingen jäten musste, füttern wir nur noch Sonnenblumenkerne. Die lieben sie alle, wogegen Weizenkörner, mit denen die Futtermischungen versetzt werden, liegenbleiben. Neben unzähligen Meisen kommt regelmäßig ein Buntspecht, der sich Spalten in den Holzpfahl des Futterhäuschens klopft um dort einzelne Sonnenblumenkerne zu verstecken. Eichelhäher kommen auch und ein Falke erschreckt ab und zu die Meisen. Zwei rote und ein bräunliches Eichhörnchen frühstücken jeden Tag, Grünlinge, Buchfinken, Dompfaff und Distelfink begnügen sich auch manchmal damit die heruntergefallenen Samen aufzupicken. Rotkehlchen und Zaunkönig können im Laub andere Leckereien finden, zwei allerliebste Mäuse knabbern die Kerne, die sie mit den Vorderfüßchen festhalten. Und - ein bisschen singen die Meisen schon manchmal.

Wir haben ein neues Projekt: wir bauen wieder ein Hochbeet. Bevor wir den Gemüsegarten mit einem Schneckenzaun eingezäunt hatten, haben wir auch schon einmal mit Hochbeeten gegärtnert es aber dann aufgegeben weil es uns in der Fläche einfacher erschien. Das war es auch bis im letzten Herbst die Wühlmäuse meine Möhren und die Petersilienwurzeln abgefressen haben. Das Wurzelgemüse werde ich dann in das Hochbeet pflanzen, da ich die Wühlmäuse mit Fallen zwar dezimieren aber niemals ausrotten kann. Sie sind einfach zu schlau. Auch jetzt haben sie meine Fangversuche wieder einmal einfach durch Zuscharren der Fallen torpediert!

Welches Hochbeet werden wir bauen: Holzdielen werden es werden, Plastikhochbeete kommen mir trotz Vorteile in der Haltbarkeit nicht in meinen Garten. Die Befestigung werden wir wohl mit U-Eisen machen, ich werde berichten. Über die feste Verankerung im Boden denken wir noch nach aber bei 3 m Länge, die angedacht ist, werden wir wohl an einer Einbetonierung in einem Rohr nicht vorbeikommen. Eine preiswerte Lösung wird es nicht werden, denn das Holz ist teuer aber Abfallholz kann ich mit vertretbarem organisatorischen Aufwand nicht beschaffen. Ich werde über den Fortgang berichten. Jedenfalls ist der Plan, dass ich den ersten Salat schon ins Hochbeet pflanzen kann. Also Mitte bis Ende April sollte es fertig sein!

 

Am 23.1. hat sich das erste gefüllte Schneeglöckchen geöffnet. Die anderen strecken die Spitzen.

  • Die gefüllten Galanthus sind die ersten
  • Auch die ersten Krokusse sind schon da. Ihr Platz ist sehr geschützt.

Heute hatten wir eine wahre Eichhörncheninvasion beim Frühstücken am Futterhäuschen: fünf Stück! Zwei dunkle und drei rote! Sag noch einer, sie würden nicht miteinander sprechen! 

Seit den trockenen Sommern habe ich ein anderes Verhältnis zu Regen entwickelt. Ich freue mich darüber! Auch wenn es tagelang grau ist, die Wiese quietscht falls man sie doch betreten will, und es zusätzlich auch noch windig ist. Die Stürme, die im Februar über uns hinweggezogen sind, sind bei uns glimpflich abgelaufen obwohl wir mehr Sorgen hatten als in den vergangenen  Jahren, da Hessen Forst den an unsere Grundstück angrenzenden Wald zu stark gelichtet hat so dass der Wind eine viel stärkere Angriffsfläche hat. Die prall gefüllte Zisterne haben wir in die Rhododendron gepumpt um Platz zu schaffen für neuen Regen. Es wäre doch zu schade, wenn das kostbare Nass in die Kanalisation abfließt.

Inzwischen ist es Anfang März, die Schneeglöckchen, Krokusse, einige Narzissen, Tracystemon orientalis und der Cornus blühen. Zu Schneeglöckchen habe ich noch eine Besonderheit zu berichten: ich war mit einem galanthophilen Gärtner auf den Schneeglöckchentagen in Knechstetten und habe dort sechs Namenssorten von Schneeglöckchen erstanden. Ich musste mich sehr zurückhalten dass ich nicht ein einzelnes Zwiebelchen für mehr als 50 Eur kaufe. Die Versuchung war sehr groß, da es sehr viele wunderbare Variationen dieses kleinen Vorfrühlingsblühers gibt. Die eher "gewöhnlichen" Namenssorten sitzen jetzt in meinem Garten und ich hoffe sehr, dass sie sich vermehren.

Das Hochbeet ist fertig! In einem Tag hatte mein Mann es aufgebaut, gute Planung zahlt sich immer aus. Entgegen der urspünglichen Planung haben wir keine Eisen einbetoniert, sondern Holzpfosten verwendet, die auf längeren Einschlaghülsen sitzen, die in die Erde geschlagen wurden. Das Füllen hat noch etwas gedauert. Es hat natürlich das berühmte Gitter gegen die Wühlmäuse eingebaut genauso wie die Folie innen gegen die Holzbretter. Ganz preiswert war es auch nicht, denn das Holz, Gitter und Folie und die metallischen Einschlaghülsen haben ihren Preis. Wir haben dicke Fichtenholzbretter genommen, Robinie war uns zu teuer. Jetzt kann ich, sobald das Wetter es erlaubt, Salat pflanzen!

  • Der Rahmen steht: Länge 3m, Breite 1.50m.
  • Gitter und Folie zum Schutz der Bretter sind eingebaut
  • gefüllt! Bereit zum Pflanzen.
  • Ein großer Teil des Komposts ist in den verschiedenen Graden der Zersetzung ins Hochbeet gewandert. Jetzt wollen wir endlich schaffen, den Kompost in zwei Abteilungen so zu füllen, dass wir zwischen den beiden Kammern umsetzen können.
 

Leider kam am 20. März noch einmal Nachtfrost. Die Strauchpäonien, Hortensien und das tränende Herz habe ich abgedeckt aber der Rest musste sehen wie er die kalten Nächte überlebt. Die Trachystemon haben den Frost mit ihren schon ziemlich riesigen Blättern nicht so gut gefunden, einige Blätter sehen mitgenommen aus. Hoffentlich ist die kalte Phase bald vorbei.

Nach den kalten Nächten ist von den Temperaturen jetzt der Frühsommer eingekehrt. Leider hat es seit Wochen nicht mehr geregnet und die trockene Luft hat die Oberfläche sehr schnell abtrocknen lassen. An Gründonnerstag blühen die Amelanchier, die Mirabelle, außerhalb des Gartens die Wildkirschen bei über 20 Grad. Die ersten Osterglocken sind schon verblüht und die Epimedium verschiedener Sorten stehen in voller Blüte, genauso wie die Bergenien. Die Wildtulpen blühen aber ihre Vermehrung lässt leider zu wünschen übrig.

  • Die Wildtulpen blühen aber ihre Vermehrung lässt leider zu wünschen übrig.
  • Erytronium dens canis blüht inzwischen in zwei ziemlich großen Tuffs. Eine weiß blühende Sorte habe ich nachgepflanzt.
  • Chionodoxa. Diese hübsche Zwiebelblume habe ich zwischen die weiß blühenden Bergenien gepflanzt.
  • Anfang April kommen die ersten Zitronenfalter zum Aubrieta
  • Auch das erste Taubenschwänzchen nascht schon an den Aubrieta
  • Euphorbia polychroma im Vorgarten. Dieses Pflänzchen ist sehr hartnäckig und weigert sich im Beet zu wachsen. Sie sät sich aus und wächst prächtig in der Pflasterfuge.
  • Der Rosmarin, ebenfalls im Vorgarten, blüht in diesem Jahr an Ostern.
  • Salat und Kohlrabi gepflanzt im Hochbeet am 6.4.
  • am 13.4 sind sie prächtig gewachsen und die gesäten Radieschen sind auch schon aufgelaufen.
  • Clematis alpina Bristol Ruby sitzt unter Madame Carriere und hat viele Blüten. Die weiße Clematis alpina Albina Plena, die daneben wächst, schlingt sich in die Rose und beginnt zu blühen.

An Christi Himmelfahrt habe ich nach vielen Jahren wieder einen Kuckuck gehört. Dabei stand ich in einem voll blühenden Garten mit der voll erblühten Rhododendronhecke, einer in diesem Jahr aus seinem Wiesenrondell herausgewachsenene Margerithenwiese (wegen der Trockenheit hatte ich die Margerithen nicht abgemäht, plötzlich waren sie jedoch in unglaublicher Fülle da), den Mondviolen und den anderen vielen in pink, rosa, lila und weiß blühenden Stauden. Auch die Rosen blühen schon, Gertrude Jeckyll, Abraham Darby und Madame Carriere in schierer Fülle. Ein paar Wisteriablüten sind doch noch erschienen obwohl ihnen der Spätfrost schwer zugesetzt hatte. An Pfingsten blühen - wie bestellt - auch die Staudenpfingstrosen. Es fühlt sich wie eine Blühorgie an!

Überall summt und brummt es. Es braucht wirklich nicht viel um Insekten Nahrung zu bieten. Hier ist eine Show der Insekten zu sehen.

Der Juni hat mir eine wunderbar üppige Rosenblüte beschert. Auch der Rambler Blue magenta im Vorgarten blüht sehr schön, er wird noch wachsen ... Pauls Himalayans  Musk überschüttet den Rosenbogen mit seiner Verlängerung mit einer schieren Blütenfülle. Sein Duft ist im ganzen Garten wahrnehmbar.

Etwas Abgeschnittenes zum Kompost bringen, ganz alltäglich. Aber nicht in diesen Tagen: Die Ringelnatter sonnt sich auf der Folie mit der wir den Kompost neuerdings zur Bewahrung der Feuchtigkeit abdecken, oder sie liegt unter der Folie und sieht mich an, Begegnungen Aug in Aug. Sie züngelt und flieht nicht. Ein ganz besonderer Augenblick.

  • Hier liegt sie auf den Steinen zwischen den beiden Teichen. Zur Eiablage sucht sie den Kompost auf.
  • Der Zaunkönig baut und baut. Mal im Efeu, mal in der Clematis am Waldplatz. Er macht dabei immer ein sehr ernsthaften Eindruck.
  • Muskatellersalbei und der gefranste lila Mohn. Eine wunderbare Kombination. Leider ist die Mohnblüte eine flüchtige Angelegenheit.
  • Phuopsis stylosa blüht in zwei Farbstellungen: rosa und intensiv rosa. Ist sie vielleicht die Manifestation des Coronavirus nur in schön und harmlos?
  • Die Granatäpfelbäume auf der Terrasse blühen! In diesem Jahr habe sie zum ersten Mal den Winter nicht in der Garage verbracht und blühen jetzt in Juni statt wie in den anderen Jahren erst im September. Ich bin sehr gespannt ob sich erstmals ein Granatapfel entwickelt.
  • Ein besonderes Foto eines Taubenschwänzchens an den von ihnen so geliebten Centranthus ruber alba.

Nach den offenen Gärten unter Corona Bedingungen - was dank der Disziplin der Besucher kein Problem war -  hatte meine Gartenfreundin die Idee, die Rosen mit Schildern zu versehen um die Nachfragen der Besucher zu vermindern. Da uns die gekauften Schilder viel zu teuer sind, haben wir eine eigene Idee entwickelt: wir haben Schieferplatten besorgt, sie zu unregelmäßigen Schildern behauen und mit einem Loch zum Aufhängen versehen. Beschriftet werden sie mit einem weißen permanenten Stift. Ich schreibe zusätzlich das Züchtungsjahr der Rose auf das Schild. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich viele Rosen habe, die vor dem zweiten Weltkrieg gezüchtet worden sind, die modernen Rosen sind in der Minderheit.

  • Das Schild sieht dann so aus

In diesem Sommer, der sehr wechselhaft daherkommt, fällt in unserer Gegend trotzdem kaum Regen. Mal ein Spritzer, höchstens ein paar Liter, aber kein durchdringender Regen, den der Garten so dringend brauchen würde. Der bedeckte Himmel verspricht nur Niederschlag, aber lädt ihn zumindest bei uns nicht ab. Vielleicht würden Regentänze helfen ...

  • Der Rosenbogen blüht, nachdem Pauli abgeblüht ist, von der anderen Seite zusammen mit der dunkellila Clematis.
  • Die Hydrangea macrophylla blühen nicht gut, da ihnen der Spätfrost schwer zugesetzt hat aber die arborescens, die am neuen Holz blühen, sind prächtig.
  • Die Monarda didyma hat ein bisschen gebraucht bis sie gewachsen ist. Aber jetzt passt auch die Farbe gut zu dem Blutweiderich, der auf der anderen Seite des Teichs wächst und die Farbe des Ramblers am Rosenbogen wieder aufnimmt.
  • Der Akanthus ist prächtig geworden, die anderen Exemplare an anderen Stellen im Garten sind noch klein und niedlich. Besonders Hummeln besuchen die Blüten und haben eine ausgefeilte Strategie um an den Nektar zu kommen.
  • Das ist die traurige, tote Gestalt meines Walnussbaumes!

Einen traurigen Verlust habe ich zu beklagen: der 40 Jahre alte Walnussbaum hat nach dem Spätfrost geblüht und nochmal ausgeschlagen, aber dann ist der Austrieb vertrocknet. Der Baum ist tot. Leider können mir auch die Experten, an die ich mich gewandt habe, die Gartenakademie und das RPGI, keine Hinweise geben was die Ursache sein könnte. Somit bleiben nur Spätfrost und Trockenheit. Wir kommen nicht umhin ihn fällen zu lassen. Damit entfällt er dann als prägender Abschluss unseres Gartens nach Norden und als Schattenbaum für den Kompost. Über Ersatz habe ich schon nachgedacht, bin aber noch zu keinem Ergebnis gekommen.

Bis zur den letzten September Tagen gab es außer einem Gewitterregen Ende August keinen Tropfen Regen! So trocken war es in den 40 Jahren noch nie. Auch unser Tonboden hat kein Wasser mehr bis in tiefe Bodenschichten. Das ist auch durch Wässern nicht mehr abzufedern, ich kann nur noch mühsam am Leben erhalten. Der Untertaunus ist durch die Südwest-Wetterlagen sehr benachteiligt, da die Regenwolken einfach an uns vorbeiziehen. Überall regnet es, bei uns nicht! Bei allem, was ich nachpflanze, steht jetzt die Überlegung im Mittelpunkt: hält es Trockenheit aus? Durch Beobachtung komme ich zu überraschenden Ergebnissen: die Feuerdornhecke wächst und wächst, sie kann die Trockenheit aushalten, Clematis können auch erstaunlich gut damit umgehen und einige Stauden sind wahre Trockenheitskünstler. Manche Stauden hängen dürstend und halb tot da, erholen sich aber wenn es nur ein bisschen tröpfelt. Manche wie zum Beispiel die Astilben ziehen ein, hoffentlich sind sie nicht endgültig vertrocknet. Meine Brombeeren konnten nicht gut damit umgehen, die Ernte beschränkte sich in diesem Jahr auf ganz wenige Beeren.